Suchtprävention - Einführung
Einleitung
In Gesundheitsberufen sind Suchterkrankungen gar nicht so selten. Die Betroffenen versuchen häufig, Streß, Überlastung, Frustrationen und Burnout zu kompensieren. Die häufigsten Suchtformen sind der Mißbrauch von Alkohol, Drogen und Medikamenten (letzteres durch den relativ leichten Zugriff am Arbeitsplatz). Aber auch andere Suchtformen wie Eßstörungen sind nicht zu vernachlässigen.
Wissenschaftliche Untersuchungen belegen, daß folgende (in der Pflege häufig anzutreffende) Faktoren potenziell suchtfördernd sind:
- hohe psychische Belastung
- Schichtdienst
- fehlende Aufstiegsperspektiven
- unsichere oder unklare Arbeitsplatzperspektiven (Stichwort Befristungen!)
- repressiv-autoritäre Betriebsstrukturen
- soziale Konflikte mit Vorgesetzten und Kollegen (Stichwort Mobbing!)
Insbesondere Alkohol-, Drogen- und Medikamentenmißbrauch gefährden nicht nur die eigene Gesundheit, sondern auch die Patienten/Bewohner.
Wie erkenne ich den Missbrauch von Suchtmitteln (z. B. Alkohol)?
Bei Missbrauch von Alkohol ist der Nachweis vielschichtig.
Gewarnt werden muss hier allerdings vor dem Versuch, Alkoholismus am Arbeitsplatz zu diagnostizieren.
Führungskräfte würden bei anderen Erkrankungen der Mitarbeiter auch keine Diagnose stellen und Behandlungsmöglichkeiten vorschlagen. Ähnlichkeiten im Verhalten von Personen mit Alkoholproblemen und psychisch Kranken sind möglich.
Die Auffälligkeiten müssen nicht immer alle gleichzeitig auftreten, oft fehlt sogar das eindeutige Merkmal, die Fahne!
Mögliche Auffälligkeiten im Arbeitsverhalten:
- häufige Fehltage, die als Kurzerkrankungen ohne ärzlichen Nachweis meistens durch Dritte entschuldigt werden
- unentschuldigtes Fehlen, das nachträglich mit einem Urlaubstag abgegolten wird
- fehlerhafte Arbeitsergebnisse und Arbeitsrückstände
- aktive Phasen mit nachfolgendem deutlichem Leistungsabfall
- uninteressiert an Arbeitsabläufen oder auch überengagiert, d.h. Arbeitsvorhaben nicht aus der Hand geben
- mit vielen Arbeitsaufgaben gleichzeitig beschäftigt, aber nicht nachvollziehbar für Dritte
- Termine werden versäumt, Unzuverlässigkeiten häufen sich
- fahrig, nervös, unkonzentriert - vor allem vor Arbeitspausen und Arbeitsende
- Entfernen vom Arbeitsplatz während der Arbeit, oft irgendwo unterwegs
- vorgezogenes Arbeitsende oder auch Anhäufung von nichtvereinbarten Überstunden
- Überziehen von Pausen und unregelmässiger Arbeitsbeginn.
Mögliche Auffälligkeiten im Sozialverhalten:
- Aggressivität tritt einerseits ohne nachvollziehbaren Anlass auf, andererseits dann, wenn Kritik geäußert wird
- Person kann nicht mehr zwischen sachbezogener und persönlicher Kritik unterscheiden, bezieht zunehmend alles auf sich, eigene Fehler werden abgewehrt und geleugnet
- Schuld sind auf jeden Fall die anderen, entweder konkrete Personen oder die widrigen Umstände - die Eigenverantwortung lässt erheblich nach
- Problemperson zieht sich zurück, meidet Kontakt zu anderen, in der direkten Begegnung wird der Blickkontakt vermieden oder das Gegenteil trifft zu
- Kontakte zu allen werden gepflegt, keine Gelegenheit zur Unterhaltung wird ausgelassen, vor allem Feste und Feiern ziehen die betroffene Person "magisch" an
- häufig werden einige wenige Kontaktpersonen gesucht und gefunden, denen Einblicke in das Privatleben gewährt werden, auf der Suche nach Trost, Mitleid und Verständnis
- in Konfliktsituationen, in denen sich die oder der Betreffende in die Enge getrieben sieht, kann es zu erpresserischem Verhalten kommen
- gelegentlich werden Selbstmordgedanken geäußert
- wenn das Geld immer knapper wird, werden Kolleginnen und Kollegen um finanzielle Unterstützung gebeten
- im Laufe der gesamten Wesensveränderungen tritt zunehmend ein negatives Denken für alle Lebenbereiche auf, verbunden mit einer restriktiven Haltung zu allgemeinen gesellschaftlichen Fragestellungen.
Möglichkeiten der Veränderung im äußerem Erscheinungsbild:
- ungepflegtes Erscheinungsbild, z.B. nachlässige Kleidung, mangelnde Körperhygiene oder im Gegenteil: übermäßig geschminkt und betont auf das äußere Erscheinungsbild achtend
- aufgedunsenes Gesicht, gerötete Gesichtsfarbe
- glasige Augen
- Gleichgewichtsstörungen beim Gehen oder auch überkontrolliertes Gehen
- verlangsamte, verwässerte Sprache
- häufige Schweissausbrüche und ständiges Lüften
- übermäßige Müdigkeit
- Alkoholfahne, die evtl. schon am Morgen vorhanden ist
- Alkoholfahne, die mit reichlich Rasierwasser oder Raumdüften oder Mundspray oder Bonbons/Kaugummis übertüncht und damit kaschiert wird
- Zittern der Hände.
Die oben aufgelisteten Anzeichen und Auffälligkeiten sind unspezifisch. Sie können, müssen aber nicht auf Alkoholprobleme schließen lassen.
Die eigene Einstellung zu Alkoholkonsum und Missbrauch ist der Maßstab, mit dem Abweichungen wahrgenommen werden.
Die Führungkraft, die es als unerheblich betrachtet, dass die Mitarbeiterin oder der Mitarbeiter gelegentlich "über die Stränge" schlägt
und mit Restalkohol die Arbeit antritt, wird sich nicht aufgefordert fühlen, dagegen Einwände zu erheben.
Nur bei einer kritischen Haltung kann eine frühzeitige Intervention beginnen und somit der/dem Betroffenen die notwendige Hilfe angeboten werden.
Betriebliche Handlungsmöglichkeiten
Natürlich muß es sich kein Arbeitgeber gefallen lassen, wenn Arbeitnehmer unter dem Einfluß von Suchtmitteln arbeiten und damit sich und andere in Gefahr bringen. Da aber insbesondere Alkoholismus eine anerkannte Krankheit ist, kann die Kündigung betroffener Arbeitnehmer keine Lösung sein. Der Gesetzgeber verpflichtet hier vielmehr zu Prävention und Wiedereingliederung.
Zur Wiedereingliederung bietet sich meist ein mehrstufiges Modell an, die sogenannte "Interventionskette". Erst wenn diese Bemühungen fehlschlagen, kann der Arbeitgeber eine verhaltensbedingte Kündigung aussprechen.
Unser Service
In unserem Downloadbereich finden Sie unter "Arbeitshilfen für Betriebsräte: Arbeitsschutz" eine Muster-Betriebsvereinbarung zur Suchtprävention und eine Interventionskette.
Link-Tipps
Ein Service von 
www.konfliktfeld-pflege.de
Beachten Sie bitte auch unsere allgemeinen Rechtshinweise!