Konfliktfeld Pflege

Pflegekräfte häufiger krank als andere

Die rund 900000 Krankenschwestern und anderen Pflegekräfte in Deutschland sind wesentlich öfter krank als der Durchschnitt der Arbeitnehmer. 1998 waren im Mittel jeden Tag 4,8 Prozent der Pflegekräfte krankgeschrieben, während es bei den anderen Berufen nur 3,2 Prozent waren, wie die Deutsche Angestellten-Krankenkasse (DAK) in Hamburg mitteilte. Besonders häufig sind Rückenleiden, weil viele Schwestern und Pfleger tagein und tagaus ihre bettlägerigen Patienten anheben müssen. "Arbeit im Krankenhaus macht krank", stellte DAK-Vorstandsmitglied Eckhard Schupeta fest. Aber auch das Risiko für Unfälle mit Spritzen oder durch Schnitte ist hoch. Als dritte große Gruppe der Gesundheitsprobleme bei Pflegekräften gilt psychisches Leiden infolge von Stress, Überlastung und falscher Arbeitsorganisation.

Neuere Untersuchungen diffenzieren, daß Pflegekräfte aus ambulanten Diensten häufiger als Beschäftigte anderer Berufsgruppen an gesundheitlichen Problemen leiden. Sie seien hohen körperlichen und psychischen Belastungen ausgesetzt und und mehr als andere von Rückenschmerzen und psychischen Erkrankungen betroffen, heißt es im Gesundheitsreport 2006 der DAK und der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW). Dennoch seien ambulante Pflegekräfte im Vergleich zu ihren Kollegen im Krankenhaus deutlich zufriedener. 68 Prozent sehen ihre Arbeit positiv, während dies nur 53 Prozent der Krankenhaus-Pfleger tun.

Psychische Erkrankungen nehmen zu

Bei insgesamt sinkenden Krankheitsständen haben in 2004 die Fehlzeiten aufgrund psychischer Erkrankungen um 10% zugenommen. Ursachen hierfür sind die Verdichtung der Arbeitsabläufe, Personalverknappung, wachsender Qualifikationsdruck und die Angst vor Arbeitslosigkeit.

Das Arbeitsschutzgesetz schreibt zwar vor, daß Betriebe Gefährdungsanalysen durchführen und auf Gefahrenpotentiale entsprechend vorbeugend reagieren müssen. In der Regel werden jedoch nur die Standard-Analysen durchgeführt, die sich auf unmittelbare Risiken beziehen, z.B. Heben und Tragen und Verletzungsrisiken. Gefährdungsanalsyen zu psychischen Belastungen in der Pflege werden dagegen nicht durchgeführt, obwohl die BGW hierzu ein Instrumentarium anbietet.

Auch wenn das Arbeitsschutzgesetz psychische (Langzeit-)Belastungen gegenüber den kurzfristigen körperlichen Belastungen eher nachrangig behandelt, halten wir es für kurzsichtig, solche Belastungsanalysen nicht durchzuführen vor dem Hintergrund, daß psychische Erkrankungen zunehmen und die dadurch bedingten Fehlzeiten durchschnittlich 30,4 Tage betragen.

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