Die arbeitsrechtlichen und arbeitsmedizinischen Grundlagen haben wir bereits in zwei Artikeln ausführlich dargestellt[1], deshalb geben wir hier nur eine kurze Zusammenfassung:
Das Arbeitszeitgesetz schreibt vor:
Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin empfiehlt:
Wir haben im Juni 2007 (29.5.-24.6.) eine Online-Umfrage zum Thema "Nachtschicht in der Pflege" durchgeführt und folgende Fragen gestellt (ab Punkt 4 haben wir jeweils um eine "Wertung" (ja/jein/nein) gebeten ):
Zusätzlich hatten die Einsender des Fragebogens die Möglichkeit, Kommentare zu schreiben.
Bei den Wertungen der einzelnen Aussagen zum Nachtdienst haben viele Einsender einzelne Aussagen übersprungen. Wir haben die Wertungen im Verhältnis zur Gesamtzahl der Fragebögen ausgewertet. In der grafischen Darstellung ist jedoch auch die Verteilung innerhalb der einzelnen Wertungen erkennbar.
Wir haben insgesamt 57 Fragebögen ausgewertet. Die im Vergleich zu früheren von uns durch geführten Umfragen geringe Zahl erklärt sich unseres Erachtens daraus, daß das Thema dieses Mal relativ "speziell" ist. Wir meinen jedoch, daß auch bei "nur" 57 Fragebögen zumindest ein Trend abzulesen ist.
Wenig überraschend ist die Tatsache, daß Dauernachtwachen überwiegend in Teilzeit arbeiten, Wechselschichtler überwiegend in Vollzeit. Der Gesamtanteil der Dauernachtwachen beträgt ca. 33%. (Abb.1)
Die früher übliche 10-Stunden-Nacht scheint ein "Auslaufmodell" zu sein. Fast 2/3 aller Pflegekräfte arbeiten inzwischen weniger als 10 Stunden im Nachtdienst, die meisten zwischen 9 und 10 Stunden. Dummerweise hatten wir in unserer Umfrage vergessen, mögliche Pausen zu berücksichtigen bzw. nach der "Anwesenheitszeit" zu fragen. Zur Erklärung: Bei einer "formellen" Arbeitszeit von 9:15 plus 0:45 gesetzlich vorgeschriebener Pause wäre die Nachtarbeitszeit trotzdem 10 Stunden, sofern nicht für eine Pausenablösung gesorgt ist - was sich die wenigsten Arbeitgebe leisten (können). (Abb.2)
Spannend ist jedoch die Frage, wie die Aussagen unserer Umfrage bewertet wurden.
Fast 80% aller Befragten finden Nachtdienste generell oder zumindest teilweise "belastend". Über die Hälfte kann subjektiv jedoch nicht feststellen, daß Nachtdienst bisher ihrer Gesundheit geschadet hat.
Jeder dritte Befragte meint, daß die Verkürzung des Nachtdienstes keine Entlastung bringt, berücksichtigt man nur die tatsächlich gegebenen Antworten, ist es sogar nur jeder zweite. Nur jede dritte Nachtwache meint tatsächlich, daß ein kürzerer Nachtdienst weniger belastend ist als einer von 10 Stunden Länge.
Rund die Hälfte der Befragten bemängelt, daß durch die Verkürzung des Nachtdienstes freie Tage wegfallen und daß diese Tage zur Erholung fehlen. Über die Hälfte der Befragten würde lieber 10 Stunden pro Nacht arbeiten, wenn dadurch mehr Frei möglich ist. Nur jeder Vierte würde lieber weniger als 10 Stunden arbeiten. Nur jeder Vierte kann die durch die Verkürzung des Nachtdienstes "gewonnene" Zeit sinnvoll nutzen.
Etwa jede dritte Nachtwache trifft durch die Verkürzung des Nachtdienstes die Patienten bzw. Bewohner nur noch schlafend an. Dadurch fehlt der notwendige Kontakt.
Grundtenor der abgegebenen Kommentare ist, daß der Nachtdienst im Allgemeinen als belastend empfunden, andererseits aber auch als ruhiger, ungestörter, individuell gestaltbar und letztlich befriedigender beschrieben wird. Einige bemängeln, daß sie sich ausgegrenzt und ignoriert fühlen. Konkret an die Politik richten sich Wünsche nach einer Aufwertung des Nachtdienstes, z.B. durch gesetzliche vorgeschriebene Zuschläge oder Ruhezeiten.
Wir haben aus der Fülle der Kommentare einige exemplarische Aussagen herausgesucht:
Ich mag am Nachtdienst, daß es nachts doch ruhiger ist, was Publikumsverkehr, Telefonate, und das "Durchschleusen" der Patienten betrifft. Ich arbeite auf einer Intensivstation, und der Lärmpegel, die Unruhe sind tagsüber deutlich höher.
Da wir relativ früh anfangen (20Uhr) sehe ich etliche BW u. da der Dienst entsprechend lang ist, nehme ich mir hier die "Freiheit" für das ein oder andere Gespräch was ich im Tagdienst nicht schaffen könnte oder bei den BW wo die Kollegen stöhnen oder die Augen verdrehen.
Der Ablauf im Nachtdienst ist weniger hektisch, man kann viel selber entscheiden, man hat mehr Eigenverantwortung und damit ist der Dienst befriedigender.
Ich arbeite gern in der Nachtwache, weil ich bei dieser Arbeitsstelle mit dem weiten Arbeitsweg (ist jeweils eine Stunde), dennoch genügend Freizeit habe.
An der Nachtarbeit selbst stört mich nichts, nur die Empfehlung der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin: nicht mehr als 5 Nachtwachen am Stück zu arbeiten.
Bei 12 Nachtwachen, bei 32 Wochenstunden, komme ich nicht mehr in einen vernünftigen Tages- / Nachtrhythmus. Glücklicherweise ist mein Arbeitgeber NOCH so tolerant und nimmt Rücksicht darauf.
Ich arbeite, wenn möglich 10 Nächte am Stück und habe erstmal 2 bis 3 Wochen frei.
Die ewig neuen Richtlinien von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, werden ohne Prüfung auf Praxistauglichkeit, wie mir scheint aufs Geradewohl veröffentlicht.
Ich habe mal in einem Schichtdienstmodell gearbeitet, wo jede Schicht 8 stunden ( + Pause ) dauerte. Der Nachtdienst ging zwar schneller vorbei, aber dafür mußte man im Spätdienst bis 22.30 arbeiten. Oftmals reichte die Übergabezeit nicht aus und man kam noch später raus. Das empfand ich als wesentlich unangenehmer, als dann später 9,30 im ND zu arbeiten.
Dadurch, daß im Nachtdienst die Pausen nicht mehr angerechnet werden, hat man nur noch 1 Überstunde pro Nacht. Ergo danach weniger Tage frei oder mehr Nächte ( mindestens 4 ! )Persönlich finde ich 3 Nächte am besten, da sie rhythmusmäßig nicht so ins Gewicht fallen und es mir dann nicht so viel ausmacht nach 2 -3 Tagen wieder zu arbeiten. Ab 4-5 oder gar mehr Nächten wird es deutlich schwieriger.
Er sollte besser bezahlt werden und wer macht WIRKLICH Pause? Die wenigsten, wir z.B. nicht
Nachtdienst muß unbedingt wieder höher bewertet werden, nicht steuerlich, sondern früherer Renteneintritt, bessere Bezahlung zumindest im Pflegedienst
Ich mache jetzt seit 18 Jahren Nachtdienst und für eine berufstätige Mutter in der Pflege die bessere Alternative als Tagdienst, doch auf Grund meines Alters fangen allmählich die Schlafprobleme an, die Schlafqualität wird schlechter
Eine Änderung der langen Nachtschichten ist -Tradition hin oder her- auch im Focus der außerdienstlichen Zeiten zu bewerten. Etwa 80% der Pflegekräfte sind Frauen. Und die wollen aus verständlichen Gründen nicht auf die aus den langen Diensten resultierenden freien Tage verzichten. Ähnliches gilt grundsätzlich für in Vollzeit beschäftigte Wechselschicht leistende. Der Gedanke des Arbeitsschutzes kommt den meisten Pflegenden Jahrzehnte zu spät.
Wider jeden Biorhythmus
Jede/r der meint, im Nachtdienst wird nicht oder nicht sinnvoll, nicht effektiv gearbeitet, der irrt. Ich lade jede/n ein, mit mir 7 Nächte am Stück zu machen und hinterher reden wir darüber. Ich garantiere: ein Lästermaul weniger :-)
Die Behauptungen der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, Nachtdienst sei schädlich und gesundheitliche Folgen könnten nur durch eine Verkürzung verhindert werden, lassen sich nach unserer Umfrage nicht belegen. Hilfreicher wäre eine gesetzlich vorgeschriebene Kompensation.
Sie können die Kalkulationstabellen mit der Auswertung unserer Umfrage herunterladen:
[1]Lesen Sie hierzu auch unsere Artikel
Gesetzliche Grundlagen zum Nachtdienst
Rezension zu "Gestaltung der Arbeitszeit im Krankenhaus"
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www.konfliktfeld-pflege.de
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