KrankenpflegeschülerInnen einer Stuttgarter Krankenpflegeschule haben im Rahmen einer Projektarbeit Überlegungen angestellt, in welcher Form im Krankenhaus Schichtübergaben stattfinden können - am Bett oder im Dienstzimmer - und hierzu einige bestehende Modelle betrachtet. Die Zeitschrift "Die Schwester/Der Pfleger" fand das Ergebnis dieser Projektarbeit wert, in der Januar-Ausgabe 2001 veröffentlicht zu werden. Wir drucken im folgenden den kompletten Text des Artikels ab, lediglich die in gesonderten Kästen auftauchenden Fazits lassen wir weg, weil diese auch im Text Eingang gefunden haben. Wir haben in den mit "Kommentar" bezeichneten Kästen einige Teile mal kritisch hinterfragt. Die Kommentare beziehen sich auf die unterstrichenen Aussagen.
Der zunehmende Wettbewerb unter den Kliniken erfordert in den Häusern ein vermehrtes Qualitätsmanagement. Mit einem Qualitätsmerkmal, der Übergabe, haben wir uns im Zuge einer Projektarbeit näher befasst. Da in unserem Haus Überlegungen angestellt wurden, die Übergabe am Bett einzuführen, wollten wir in Erfahrung bringen, welche Vor- und Nachteile oder Unterschiede diese Form gegenüber der herkömmlichen Übergabe bietet und ob diese "kundenorientierter" ist.
Zu fragen ist jedoch, ob nicht in erster Linie die Ergebnisqualität von Behandlung und Pflege bei der Auswahl eines Behandlungsortes aussschlaggebend sein wird und erst danach zweitrangig die Fragen nach dem Wie und dem Ambiente eines Krankenhauses stehen. Ohnehin gibt es nur einige Bereiche der Medizin - Geburtshilfe, kosmetische Chirurgie, elektive Eingriffe - in denen die Patienten eine echte Wahl haben, meist gehen sie entweder in das nächstgelegene Krankenhaus oder eine Klinik mit zu ihrer Krankheit "passendem" Schwerpunkt.
Im Duden wird Qualität mit Beschaffenheit, Güte, Wert angegeben. Diese Kurzform reicht jedoch bei weitem nicht aus, diesen Begriff ausreichend zu definieren. Da für den Menschen die Qualitätsbeurteilung häufig ein Ergebnis seiner Erziehung und Ausbildung und damit seiner Fähigkeiten ist, fällt die Beurteilung dieses Begriffes eher subjektiv aus.
Am Beispiel von Äpfeln versteht die eine Person als Qualitätsmerkmal, wenn diese weich und säuerlich sind, die andere Person hingegen schätzt die Süße oder den Preis usw.
Die Qualitätssicherung in der Pflege - ein Definitionsversuch von vielen:
Qualitätssicherung in der Pflege bedeutet, die Handlungen und Leistungen einer zielorientierten, niveauvollen, effektiven Pflege heute und in der Zukunft zu garantieren. Zur Sicherung qualitativer Pflegeleistungen ist ein strukturierter Prozess erforderlich. Dabei müssen Leistungen gemessen, Schwachstellen aufgezeigt und Verbesserungsversuche in Gang gesetzt werden, ein wichtiger Baustein zur Qualitätssicherung stellt die Übergabe dar.
Der Begriff Dienstübergabe steht für den Informationsaustausch zwischen den einzelnen Schichten im Krankenhaus. Jede Schicht informiert die folgende, wodurch ein konstant rotierender Informationsaustausch stattfindet. Ziel ist die einheitliche, qualifizierte Pflege der Patienten.
"Übergabe" bedeutet im wahren Leben mehr als nur die Weitergabe relevanter Informationen über PatientInnen: Ein Raum,
Während unserer Ausbildung haben wir die Übergabe im Dienstzimmer kennengelernt. Wie oben schon erwähnt, gibt es jedoch Bestrebungen, die Übergabe am Krankenbett einzuführen.
Übergabe am Bett bedeutet, dass die Übergabe in Form eines kurzen Besuches am Krankenbett stattfindet. Dabei werden Ereignisse im Krankheits- und Pflegeverlauf weitergegeben, wobei sich der Patient aktiv beteiligen kann, was sich wiederum positiv auf den Genesungsprozess auswirkt. Die Persönlichkeit und die Eigenverantwortlichkeit des Patienten wird respektiert. Der Patient erhält Einblicke in die pflegerischen Tätigkeiten, die Arbeit einer Krankenschwester/eines Krankenpflegers und lernt somit das Berufsbild besser kennen. So erhält Pflege ihren eigenen Stellenwert in Krankenhäusern, zumal in vielen Köpfen noch die Vorstellung verankert ist, dass Pflegekräfte die Hilfskräfte der Ärzte seien.
Sie dient auch der Überprüfung der eigenen Arbeit, wodurch das Pflegepersonal überlegter Informationen weitergibt und am Dienstende im wahrsten Sinne des Wortes vor dem Patienten und den Mitarbeitern für die geleistete Pflegearbeit gerade steht.
Um den Datenschutz zu wahren, haben wir die Krankenhäuser mit A-E bezeichnet.
Krankenhaus A. RehabilitationsklinikIn Rehabilitationskliniken, sofern sie keinen geriatrischen Schwerpunkt haben, liegen in der Regel PatientInnen mit eher geringem Pflegebedarf. Pflegerische Maßnahmen werden hier offensichtlich in der Übergabe auch gar nicht besprochen. Da erscheint die Betreuung von 10 PatientInnen durch jeweils 1 Krankenschwester durchaus ausreichend, zumal in Reha-Kliniken ein nicht unbedeutender Teil der Arbeit von KrankengymnastInnen getragen wird. Diese werden hier aber anscheinend überhaupt nicht in die Übergabe einbezogen.
Die Übergabe am Bett wird hier einmal täglich beim Schichtwechsel vom Frühdienst zum Spätdienst durchgeführt. Die Station besitzt 40 Betten und ist in vier Bereiche aufgeteilt, in denen die Bezugspflege angewandt wird. Vor Beginn der eigentlichen Übergabe werden die Bereiche aufgeteilt beziehungsweise zugeordnet. Anwesend sind zwei examinierte Krankenschwestern.
Anhand des Dokumentationssystems werden vor dem Patientenzimmer medizinische Daten wie Diagnosen, Medikamente, therapeutische Maßnahmen oder auch Schwierigkeiten besprochen. Anschließend betreten die Pflegenden das Patientenzimmer, wobei sich die Pflegekraft des Spätdienstes vorstellt und dem Patienten eröffnet, dass sie nun der Ansprechpartner für den restlichen Tag ist.
Der Patient wird nach seinem momentanen Befinden gefragt, und anschließend wird mit ihm gemeinsam der allgemeine Verlauf und der Ablauf des Vormittags erörtert.
Die Patienten beteiligten sich sehr rege, sahen ihre Fort- oder auch Rückschritte und beschrieben ihre jeweilige Tagesform. Gemeinsam mit dem Pflegepersonal wurden Nah- und Fernziele festgelegt und über Maßnahmen diskutiert. Der Pflegeprozess wurde also aus Sicht des Patienten und mit ihm angewandt.
Die Pflegenden erklärten auf Nachfragen beispielsweise Medikamentenumstellungen und andere Sachverhalte, zu denen die Patienten noch Fragen hatten, oder erinnerten an anstehende Termine des Nachmittags.
Erlärungen zu Medikamentenumstellungen sind eigentlich Sache des behandelnden Arztes - auch wenn man ehrlicherweise sagen muß, daß erfahrene Pflegekräfte dies meist besser können.
Pflegerische Tätigkeiten wurden in die Übergabe integriert. Springer standen während der Übergabe nicht zur Verfügung, so dass die Übergabe bei akuten Problemen unterbrochen werden musste. Gestoppt werden musste die Übergabe auf dem Flur ebenfalls bei Auftreten von Besuchern.
Immerhin bestehen die Störungen der Übergabe hier "nur" aus "akuten Problemen" und Besuchern! Bei einem "akuten Problem" wie etwa einem Notfall nutzt auch ein Springer nichts, dann ist jede Übergabe sofort zu unterbrechen!!!
Die Übergabe eines Bereiches dauerte hier eine Stunde, wobei jedoch pflegerische Handlungen mit einbezogen waren. Informationen wurden rege ausgetauscht und konnten gleich einer Person zugeordnet werden. Verbunden mit dem eigenen Eindruck entstand zugleich ein Gesamtbild. Die Patienten wurden sehr gut mit einbezogen.
Ich empfand diese Art der Übergabe als sehr effektiv und gut.
Krankenhaus B: Innere AbteilungAuf einer internistischen Station im Krankenhaus B findet die Übergabe bereits am Patientenbett statt, ist jedoch generell in zwei Teile gegliedert:
Insgesamt 75 Minuten täglich für eine Übergabe? Wie sind denn da die Arbeitszeiten gestaltet, daß so eine lange Überlappungszeit zwischen zwei Schichten herauskommt? Zweites Problem: die Innere Medizin besteht zum großen Teil aus Diagnostik. Wenn in der gesamten Klinik so lange Übergaben laufen, bei denen die meisten Pflegekräfte unabkömmlich sind, wie ist es dann organisiert, daß nicht gleichzeitig sämtliche Funktionsabteilungen über eine Stunde blockiert sind?
Auf Grundlage der Bezugspflege übergibt die zuständige Vollkraft der Frühschicht der zuständigen Vollkraft der Spätschicht ihre Patientengruppe im Zimmer. Teilweise wird der Patient aufgefordert, aktiv am Gespräch teilzunehmen und sich zu seiner derzeitigen Situation zu äußern.
Im Patientenzimmer werden ausschließlich pflegerische Bedürfnisse, Ressourcen und ausstehende Untersuchungen besprochen. Medizinische Daten wie Diagnose und Prognose sollten zwecks Datenschutz nicht angesprochen werden.
Dieser Teil der Übergabe wird zudem mit dem ersten Durchgang der Spätschicht kombiniert, so dass pflegerische Aufgaben wie Vitalzeichenkontrolle und Medikamentengabe parallel erledigt werden.
Im Anschluss findet in einem separaten, störungsfreien Stationsraum die "große" Übergabe statt, die ausschließlich medizinisch und persönlich relevante Daten beinhaltet. Hierbei ist die gesamte Spätschicht anwesend, so dass jede Vollkraft einen Überblick über alle Bereiche hat.
Krankenhaus C: Intermediate Care Station"Intermediate Care"??? Folgendes ist auch Qualitätssicherung: "Es ist unser Bestreben, (...) uns in einer verständlichen Sprache auszudrücken." (aus dem Leitbild des Zentralkrankenhauses Bremen-Nord) Intensiv- oder Wachstation ist wohl ein passenderer Name. Solche Stationen sind notwendigerweise mit so viel Personal ausgestattet, daß sich eine Übergabe am Bett geradezu anbietet, bei Patienten, die nicht lange allein gelassen werden können, sogar zwingend ist.
Das gesamte Team trifft sich zur allgemeinen Übergabe im Dienstzimmer, wo Patientendaten und zu ändernde Dinge besprochen werden. Die Patienten werden unter den anwesenden Pflegekräften aufgeteilt
Nun folgt die Übergabe am Patientenbett. Sie ist umfassend und beinhaltet medizinische wie pflegerische Daten. Hierbei kann und wird der Patient mit einbezogen. Die Pflegekraft bekommt sofort einen groben Überblick über das Befinden und den Zustand des Patienten. Die Soll-Dauer der Übergabe kann eingehalten werden, da eine Pflegekraft nur für eine kleine Anzahl von Patienten zuständig ist. Auch hier gibt es Störfaktoren, zum Beispiel Abholen aus dem OP, das Läuten des Telefons oder Monitoralarme.
Durch eine Patientenbefragung stellte sich heraus, dass die Patienten mehr über ihr Krankheitsbild und ihre Therapie erfahren als bei der Übergabe im Dienstzimmer. Sie fühlen sich ernst genommen und sehen, dass sie in die Pflege mit einbezogen werden.
Wozu ist eigentlich die tägliche Arztvisite gut?
Die operative Gynägologie besteht im wesentlichen aus 4 Krankheitsbildern:
Zum größten Teil sind die Patientinnen jünger als 60 Jahre und haben meist keine schwerwiegenden zusätzlichen Erkrankungen. Es ist relativ einfach, hier Pflegestandards zu entwickeln und umzusetzen, weil sie in der Regel nicht modifiziert oder erweitert werden müssen.
Um die Übergabe am Bett näher kennen zu lernen, haben wir das Krankenhaus D besucht. Dort wird in der Abteilung der operativen Gynäkologie seit 1996 die Übergabe am Bett praktiziert. Für das Team dort war diese Form der Übergabe eine Selbstverständlichkeit, während wir in der Erwartung hingingen, eine neue Entwicklung kennenzulernen.
Medizinische Daten wurden je nach Art der Diagnose beziehungsweise der Aufklärung des Patienten durch den Arzt vor oder im Patientenzimmer ausgetauscht. Pflegerische Maßnahmen und Organisatorisches wurde immer am Patientenbett besprochen.
Ein Mitarbeiter übernahm die Funktion eines Springers, um einen reibungslosen Ablauf der Übergabe zu gewährleisten. Die Übergabe vom Spät- zum Nachtdienst sowie vom Nacht- an den Frühdienst erfolgt im Dienstzimmer.
Die Übergabe am Bett wird nur dann praktiziert, wenn dem Personal des Spätdienstes die Patienten der Station unbekannt sind.
Wir hatten den Eindruck, dass die Patienten dieser Form gegenüber sehr aufgeschlossen waren und sich gerne am Gespräch beteiligten. Außerdem konnten wir feststellen, dass Diagnosen und Krankheitsbilder leichter zu merken waren, wenn man sie mit einem konkreten Patient beziehungsweise dessen Gesicht in Verbindung brächte.
Krankenhaus E: Allgemeinpsychiatrische AufnahmestationDie Übergabe auf der allgemeinpsychiatrischen Aufnahmestation findet im Dienstzimmer (Wohnzimmer) statt, um eine gute Übersicht über die Patienten zu haben. Während der Übergabe müssen alle Patienten das Zimmer verlassen.
Das Konzept einer psychiatrischen Station beinhaltet ja schon den permanenten Patienten-Kontakt. Warum soll dann auch noch eine Übergabe am Bett stattfinden? Die Übergabe im Dienstzimmer kann hier auch deshalb sinnvoller sein, weil die PatientInnen krankheitsbedingt eine andere Sichtweise haben und das Übergabegespräch sogar vollständig mißverstehen können
In der Regel dauert die Übergabe 30 Minuten, und diese Zeit wird als Vorgabe auch eingehalten. Die Station ist in drei Bereiche eingeteilt (mit den jeweiligen Patientenunterlagen), so dass die/der jeweils verantwortliche Schwester/Pfleger während der Übergabe ihren/seinen Bereich übergibt. Die Übergabe war öfters durch Störfaktoren wie Telefonklingeln, Patienten, die an die Tür klopfen, oder durch Patienten, die sich auffällig verhielten, unterbrochen.
Für die Zeit der Übergabe ist kein Springer eingeteilt, so dass meistens die Schüler oder die Schwester, die gerade nicht aktiv an der Übergabe beteiligt ist, anfallende Arbeiten erledigt. Ein einheitlicher Ablauf, wie jeder Patient übergeben wird, ist vorhanden. Übergeben werden Patientendaten, Änderungen von Medikamenten, Verhalten des Patienten und pflegerischen Daten bei Besonderheiten. Im Gegensatz zum Allgemeinkrankenhaus steht in der Psychiatrie das Verhalten des Patienten im Vordergrund, wodurch während der Übergabe sehr viel über den Patienten geredet wird, was er den Tag über geäußert hat, wie er reagiert hat und wie er sich gegenüber Personal und Mitpatienten verhält.
Der Informationsgehalt und -austausch ist sehr gut, so dass die Mitarbeiter des Spätdienstes nicht nachfragen müssen. Der Eindruck der Übergabe war positiv, weil sie sehr informativ war und einen einheitlichen Verlauf hatte.
Nachdem wir zwei Übergabeformen kennengelernt haben, wollten wir nun unter dem Aspekt der Qualitätssicherung beclasse Formen miteinander vergleichen
Übergabe im Dienstzimmer
Vorteile
Nachteile
Übergabe am Patientenbett
Vorteile
Nachteile
Ein wichtiger Nachteil fehlt: der Datenschutz ist nur schwer zu gewährleisten!
Bei guter Organisation und effektiver Durchstrukturierung können beclasse Übergabeformen qualitätsorientiert durchgeführt werden.
Unter dem Aspekt der Patienteneinbeziehung und der geforderten Transparenz der Pflege wird die Übergabe am Patientenbett in den nächsten Jahren mit Sicherheit immer mehr an Bedeutung gewinnen.
Wir haben Patienten zum Thema "Übergabe" befragt, bei denen keine Übergabe am Bett durchgeführt wird. Viele konnten sich unter dem Begriff "Übergabe" nichts Konkretes vorstellen, noch wussten sie, dass eine Übergabe beim Schichtwechsel stattfindet. Ein kleinerer Teil der Patienten hatte zum Begriff konkrete Vorstellungen und konnte präzise Angaben machen.
Einige Patienten bemerkten, dass es zur Übergabezeit manchmal etwas länger dauert, bis eine angeforderte Pflegeperson im Zimmer erscheint. Es gab auch Einwände dahingehend, dass nicht einheitlich gepflegt würde. Die meisten Patienten äußerten sich allerdings recht positiv.
Vielleicht wäre es sinnvoll, die Patienten über die Übergabe und deren Inhalt aufzuklären und so deren Motivation und Eigeninitiative zu wecken.
Nach all der Recherche und Diskussion stellt sich nun die Frage, wie denn die "perfekte Übergabe" aussehen könnte. Trotz anfänglicher Abneigung gegenüber der Übergabe am Bett, stellt sich diese Form für uns als vorteilhafter dar. Dazu sollten aber bestimmte Bedingungen berücksichtigt und erfüllt werden.
Zum ersten Mal tauchte der Begriff der Qualitätssicherung in Japan auf. In den USA wurde die Qualitätssicherung vor allem in der Automobilindustrie weiterentwickelt. Schließlich gelangte der Begriff nach Europa.
Ein äußerst zweifelhafter Vergleich! Qualitätssicherung in der Automobilindustrie bedeutet meist: Rationalisierung und Automatisierung, Arbeitsplatzverluste, Hochspezialisierung und Monotonisierung einzelner Arbeitsplätze und letztlich Entfremdung der Arbeit.
In der Pflege tauchte der Begriff Qualitätssicherung erstmals in Verbindung mit Florence Nightingale (1820-1910) auf. Sie formulierte bereits Standards zum Schutz des Kranken, zum Beispiel vor Lärm oder zur Belüftung, und zur Sauberkeit in den Krankenzimmern.
In neuerer Zeit gibt es immer mehr Versuche, Pflegequalität zu definieren und weiter zu entwickeln. In den 60er Jahren stellte die Kaderschule des Schweizerischen Roten Kreuzes Kriterien auf, um Pflege zu beurteilen. Die Bewertung der Kriterien führte dann zu den folgenden vier Stufen:
1. Optimale Pflege
2. Angemessene Pflege
3. Sichere Pflege
4. Gefährliche Pflege
Avedis Donabedian sah die Pflegequalität eng an Standards gebunden. Standards sind neben Pflegeprozess und Dokumentation ein Instrument der Qualitätssicherung. Über allem steht das Pflegeleitbild. Donebedian unterschied 1966 drei Arten von Standards:
1. Strukturstandards: sie betreffen die Organisation der Pflege.
2. Prozessstandards, wobei "Prozess" das eigentliche pflegerische Handeln meint.
3. Ergebnis- oder Outcome-Standard, der die Effektivität der Pflegearbeit überprüfen soll.
Die Standards sollen eine einheitliche Basis für die Pflege sein und dem Patienten ein Mindestmaß an Pflegequalität garantieren. In einer Pflegeplanung, innerhalb des Pflegeprozesses, sollen indivclassuelle Probleme jedoch genauso berücksichtigt werden.
Durch das zunehmende Streben nach nachweisbarer Qualität und Professionalität sind die Anforderungen an die Pflegenden ebenfalls gestiegen. Neben einer qualifizierten Ausbildung sowie regelmäßiger Fort- und Weiterbildung muss die Fähigkeit zur verantwortlichen, kompetenten Ausführung des Berufes zur grundsätzlichen Bedingung gemacht werden. Für die Umsetzung dieser Anforderungen sind entsprechende Rahmenbedingungen und Ziele zu setzen. Dazu gehören:
Die Anzahl der Stellen und deren qualifizierte Besetzung, das Vorhandensein von Raum und Material, die aktive Förderung von Kompetenzen sowie Motivation und Möglichkeiten, sich kreativ einzubringen (Giebing 1991).
Die Maßnahmen zur Qualitätssicherung dienen zum einen der rechtlichen Absicherung in Zeiten zunehmender Regresspflichtigkeit, zum anderen zeigen sie die Professionalität des Pflegeberufes auf. Man sollte jedoch im Auge behalten, dass die Qualitätssicherung, die sich lediglich auf einzelne Tätigkeiten von Pflegenden bezieht, von begrenztem Nutzen ist.
Qualitätssicherung ist sicherlich nicht zur Beurteilung einzelner Mitarbeiter gedacht. Die Pflegenden sollten sich durch die Qualitätssicherung nicht bedroht fühlen, sondern den positiven Nutzen aus ihr ziehen.
Sie hat ihr Ziel verfehlt, wenn sie ausschließlich zur rechtlichen Absicherung, zur Überprüfung des Personals und zur Stellenplanung dient, da sie eigentlich in erster Linie dem Patienten dienen sollte. Auch die wachsenden Ansprüche der Patienten stellen immer höhere Anforderungen an die Qualitätssicherung, während hingegen in anderen Ländern noch nicht einmal die grundlegenden Bedürfnisse gedeckt sind.
Das Schülerprojekt stellt lediglich die unterschiedlichen Formen einer Übergabe dar. Erforderliche Rahmenbedingungen werden nur am Rande erwähnt oder nicht zu Ende gedacht. Änderungen in den Abläufen einer Station haben aber auch Auswirkungen über diese hinaus!
Zu den zu berücksichtigenden Rahmenbedingungen zählen:
Um die Übergabe am Bett effektiv, zeitkritisch und störungsfrei durchführen zu können, müssen - abhängig von Art und Größe der Station - bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein:
1. Die von einer einzelnen Pflegekraft betreute Gruppe darf höchstens 10 PatientInnen umfassen.
2. KrankenpflegeschülerInnen nehmen stets an der Übergabe teil.
3. Ein Springer kümmert sich während der Übergabe um den weiteren geordneten Ablauf auf Station sowie um Patientenwünsche, Besucher usw..
4. Während der Übergabe ist durch einen Patienten-Hol-und-Bringedienst der reibungslose Ablauf von Diagnostik und Therapie weiterhin sicherzustellen.
Hieraus ergibt sich ein Personalbedarf, den in Zeiten der Mittelkürzungen kaum ein Krankenhaus aufbringen kann.
Wir haben mal versucht zu schätzen, wieviel Zeit eine Pflegekraft am Tag für jeden Patienten übrig hat. Die durschschnittliche tägliche Arbeitszeit beträgt
462 Minuten. Hiervon sind abzuziehen:
14 Minuten Rüst- und Wegezeit
16 Minuten Übergabe mit der Nachtwache
30 Minuten für allgemeine, übergeordnete Stationsaufgaben
30 Minuten für Besprechungen aller Art. Bleiben
378 Minuten für die Arbeit am Patienten.
Das klingt nach viel Zeit, aber je schlechter die Station besetzt ist, umso weniger Zeit bleibt für den einzelnen Patienten übrig. Und von der verbliebenen Zeit wird ein großer Teil für organisatorische Aufgaben (Anmelden von Untersuchungen, Begleiten von PatientInnen zu Untersuchungen usw.), Dokumentationen, Bewältigen der immer größer werdenden Formular-Flut und allgemeine Hotelleistungen aufgewendet. Betreibt man dann noch die Übergabe am Bett in einem Umfang wie im Schülerprojekt beschrieben, bleibt für die eigentliche Pflege gar keine Zeit mehr.
Erstrebenswert und ebenfalls eine Form von Qualitätssicherung sind regelmäßige gemeinsame Übergaben mit den anderen unmittelbar an der Patientenversorgung beteiligten Berufsgruppen, z.B. StationsärztInnen, KrankengymnastInnen, Sozialdienst usw.. Übergaben in dieser Form stellen jedoch die Möglichkeit und Notwendigkeit einer täglichen Übergabe am Bett in Frage.
Eine Alternative zur Übergabe am Bett ist die regelmäßige Pflegevisite. Diese muß auch nicht täglich stattfinden, weil eine gute Pflegeplanung ohnehin auf längere Zeiträume als nur 1 Tag ausgerichtet sein sollte. So genügt die Pflegevisite bei neuen PatientInnen, bei besonderen Problemen und 1-2mal wöchentlich zur Evaluation. Im Pflegeheim oder in der ambulanten Pflege ist die Pflegevisite sogar nur 1mal monatlich vorstellbar.
Teilnehmen sollten an diesen Pflegevisiten die Stationspflegeleitung, eine verantwortliche Pflegekraft und ggf. ein/e SchülerIn, bei Bedarf und wo es sinnvoll erscheint, auch KrankengymnastInnen, LogopädInnen usw.. Hier können dann mit den PatientInnen nicht nur akute Probleme besprochen werden, sondern auch, Wünsche des Patienten, die Entwicklung über mehrere Tage, ständig wiederkehrende Probleme, Lösungsmöglichkeiten und Erfolge sowie die weiteren Perspektiven.
Vorteile
Nachteile
Es scheint beinahe, so als wollten Verbandsfunktionäre, hauptamtliche Qualitätssicherer und Krankenhausleitungen hier neue Inhalte in bestehende, bewährte Strukturen gießen, weil dies scheinbar die einfachste Form der Qualitätssicherung ist. In Wirklichkeit werden jedoch Merkmale der Pflegevisite und der Übergabe unzulässig vermengt. Im übrigen gibt auch die gängige Fachliteratur nichts über die Übergabe am Bett her, sondern favorisiert in einem Bündel von Maßnahmen die Pflegevisite.
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www.konfliktfeld-pflege.de