Konfliktfeld Pflege

Dekubitus

Teil 2
Sind Pflegeeinrichtungen so schlimm, wie Gerichtsmediziner suggerieren?

Von vielen wird die (sicherlich erschreckende) Statistik des Gerichtsmedizinischen Instituts Hamburg unkritisch und nicht hinterfragt übernommen, wonach "etwa elf Prozent aller 1998 in Hamburg und im Umland gestorbenen Menschen ... zu Lebzeiten an einem Dekubitus" litten, 2% sogar tiefe Dekubiti hatten. 54,9 Prozent der Menschen mit schwersten Druckgeschwüren lebten zuletzt in Pflegeheimen , etwa ein Drittel der besonders schlimmen Fälle starb zu Hause und 11,5 Prozent im Krankenhaus. Wieder einmal sind sich die "Experten" einig, daß in jedem Fall "die Pflege" die Schuld trifft.

Die Statistik weist jedoch den gravierenden Schönheitsfehler auf, daß sie erst nach dem Tod erhoben wurde und nichts darüber aussagt, wann, wo und warum (siehe hierzu auch unseren Artikel Die Legende vom Pflegefehler) ein Dekubitus entstanden ist. Auch der Hinweis der Gerichtsmediziner, daß Menschen in Pflegeheimen unterschiedlich häufig Dekubitusgeschwüre aufweisen, kann nicht als Beleg dienen, in Heim A sei die Pflege schlechter als in Heim B, weil aufgrund unterschiedlicher Konzepte Heime zum Teil unterschiedliches Klientel aufnehmen ("Spezialisierung").

These zum "Wo": Die häusliche Pflege, die oft auch reine Laienpflege durch Angehörige ist, steht in der Statistik relativ gut da, weil die Patienten bereits mit Dekubitus von Zuhause ins Krankenhaus oder Pflegeheim verlegt werden.

These zum "Wann": Viele Dekubiti entstehen erst in den letzten Tagen vor dem Ableben des Patienten, wenn er bereits im Sterben liegt. Über diese letzte Phase findet man viel Literatur über die psychologische Seite des Sterbens, gern wird Kübler-Ross zitiert, eine wenig bekannte Tatsache ist aber auch, daß das Sterben am Ende oft kein plötzliches Verlöschen ist, sondern ein Prozeß, der sich über mehrere Tage hinzieht und in dem der Körper allmählich von außen nach innen seine Arbeit einstellt. Auffällig ist hier stets die verminderte Durchblutung der Haut ("Marmorierung"), in dramatischen Fällen können so selbst bei bester Pflege innerhalb weniger Stunden tiefe Nekrosen entstehen.

Ein Service von
www.konfliktfeld-pflege.de