Konfliktfeld Pflege

Mobbing in Pflegeberufen

Ursachen in den veränderten Rahmenbedingungen

Die konkreten Arbeitsbedingungen oder das Arbeitsklima in einem Pflegeteam, einem Krankenhaus, einem Heim oder jedweder anderen Einrichtung, die Menschen pflegt oder behandelt, können das Auftreten von Mobbing-Handlungen entscheidend begünstigen. Der gesetzliche Rahmen, der die Arbeitsbedingungen zum Teil stark beeinflußt, hat sich in den letzten Jahren unter dem Kostendruck und dem Willen der Gesundheitspolitik, die Kosten zu senken, einschneidend verändert.

In den Krankenhäusern hat sich die durchschnittliche Liegezeit der PatientInnen nahezu halbiert. Dies bedeutet in mehrfacher Hinsicht eine erhöhte Belastung für das Pflegepersonal: Dieselbe Menge und teilweise mehr als noch vor Jahren an Diagnostik und Therapie wird in der halben Zeit durchgeführt, die weniger pflegeintensive Rekonvaleszenz-Zeit der PatientInnen entfällt, weil sie früher entlassen werden. Hinzu kommt eine Mehrbelastung durch zusätzliche Dokumentationspflichten und neu eingeführte Maßnahmen zur Qualitätssicherung. Verschärft wird die Situation gegenwärtig durch die Einführung der DRGs und den Trend zur Privatisierung von Krankenhäusern, die bislang Tarifverträgen unterlagen.

In Altenheimen ist die Lage etwas anders. Durch das Prinzip "ambulante vor stationärer Pflege" nimmt der Anteil wenig oder gar nicht pflegebedürftiger BewohnerInnen immer mehr ab. Die meisten Menschen kommen erst ins Heim, wenn aufgrund von Schwerstpflegebedürftigkeit oder hochgradiger Demenz ambulant nichts mehr zu machen ist.

In der ambulanten Pflege wird seit Einführung der Pflegeversicherung in der Regel die Pflege nicht mehr stundenweise abgerechnet, sondern einzelne vereinbarte Tätigkeitspakete minutengenau. Hierdurch geraten die Pflegekräfte in ein Spannungsfeld zwischen Patienten, die gern einfach nur etwas mehr Gesellschaft von ihrer Pflegekraft hätten, und ihrem Arbeitgeber, der Effizienz erwartet. Zudem muß auch hier jede Tätigkeit genau dokumentiert werden, um abgerechnet werden zu können.

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Ursachen innerhalb eines Pflegeteams

In einem Team oder einer Einrichtung gibt es unseres Erachtens - neben den ohnehin immer wieder auftauchenden Ursachen - 2 große spezifische Ursachenkomplexe: zum einen das politische motivierte Mobbing gegen einzelne KollegInnen, die laut berechtigte Zweifel gegenüber einschneidenden Erneuerungen äußern, um diese mundtot zu machen, zum anderen gestörte Kommunikation im Team oder zwischen dem Team oder einzelnen KollegInnen und der Leitung. Wir wollen uns hier in erster Linie dem weitaus häufigeren zweiten Komplex widmen.

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Beispiele

Eine Möglichkeit, wie eher unbeabsichtigt Mobbing-Situationen entstehen können, sind informelle Strukturen und Hierarchien innerhalb des Teams. In der Regel treffen hier sehr unterschiedliche Charaktere mit auch unterschiedlichen Neigungen aufeinander. Da gibt es beispielsweise die stillen Typen, die auf selbstbewußte Macher treffen.

Typische Situationen findet man z.B. in der Dienstübergabe: Der Kollegin A wird aufmerksam zugehört, bei Kollegin B finden Störungen durch Privatgespräche oder ähnliches statt; oder Kollegin C drückt sich umständlich aus und wird dafür zurechtgewiesen oder lächerlich gemacht.

Die zweite Möglichkeit, wie Mobbing entsteht, sind organisatorische Veränderungen. Oft werden hier mehrere Versäumnisse begangen. Da wird der Ist-Zustand nicht analysiert oder ein falscher unterstellt, woraufhin Leistungs- und Erwartungsdruck enorm steigen, was zwangsläufig zu Widerständen bei den Betroffenen führt. Die Veränderungen werden nur spärlich von Erklärungen begleitet.

Z.B. möchte die neue Klinik- oder Heimleitung zur Verbesserung der Pflegequalität wissen, wie oft und unter welchen Umständen Dekubiti bei den Patienten/Bewohnern entstehen und verteilt hierzu ein Formular. Die betroffenen Pflegekräfte verstehen nicht den Hintergedanken dieser Maßnahme und empfinden sie als Schikane, weil sie glauben, sie sollten lediglich kontrolliert werden, im schlimmsten Fall, daß ihnen schlechte Pflege unterstellt wird. Dies führt zu einer negativen Haltung gegenüber den Vorgesetzten, passivem Widerstand und letztlich zum Scheitern der Maßnahme. Die Vorgesetzten werden schließlich aus Angst nicht mehr konsultiert, wo sie ihr Wissen einbringen könnten. Eine Vergeudung personeller Ressourcen.

Die dritte Möglichkeit sind außergewöhnliche Belastungen wie Suizid eines Patienten, der Tod besonders junger Patienten oder gravierende Fehler, die einem Patienten einen Schaden zugefügt haben, die nicht oder nicht genügend aufgearbeitet werden.

In der ambulanten Pflege ist es vorstellbar, daß 2 Pflegekräfte einen Patienten zu unterschiedlichen Zeiten betreuen, etwa morgens und abends, also eher selten direkten Kontakt zueinander haben. Hier können mobbingähnliche Situationen entstehen, wenn beide unterschiedliche Auffassungen haben und diese nicht austauschen können und ihre Tätigkeiten nicht ausreichend dokumentieren (etwa mit einer sachlichen Begründung). Hier sind Konflikte am einfachsten durch klare Verhaltensanweisungen, ausführliche verständliche Dokumentation und regelmäßige geplante Besprechungen zu vermeiden.

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Vorbeugende Maßnahmen

Die folgenden (sicherlich nicht vollständigen) Maßnahmen können vorbeugend gegen Mobbing-Situationen wirken.

Abbau von Hierarchien

Regelmäßige Teamgespräche helfen einander zu verstehen. Hier sollten Ziele gemeinsam erarbeitet werden. Ziele der Leitungsebene müssen klar definiert und begründet dargestellt werden. Die Ziele werden für alle nachvollziehbar protokolliert.

Dokumentation

Die Dokumentation sollte einerseits möglichst einfach und standardisiert sein, andererseits so vollständig wie möglich.

Störungen haben Vorrang

Konflikte dürfen nicht vertuscht, sondern müssen ausgetragen werden. Kritik muß hierbei stets konstruktiv vorgetragen werden. Bei Bedarf ist dem Team oder der einzelnen Pflegekraft die Möglichkeit zur Supervision anzubieten. In bestimmten Pflegeeinrichtungen (z.B. Psychiatrie) oder bei besonders belastenden Situationen sollte Supervision regelmäßig stattfinden.

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